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Fotos: Arno Burgi, Björn Lenhard

ARA Dresden - Fünf Jahre Brevets zwischen Erzgebirge, Böhmen und den Karpaten


Als ich 2022 den Standort Dresden bei ARA Deutschland eröffnet habe, war die Grundidee eigentlich recht einfach: Brevets in einer Region anzubieten, die ich selbst für eine der schönsten Langstreckenregionen Europas halte.


Der Start- und Zielort ist bis heute der Radsportkomplex des SSV Heidenau. Die Lage direkt am Übergang zwischen Sächsischer Schweiz und Osterzgebirge bietet ideale Voraussetzungen. Innerhalb weniger Kilometer erreicht man das Erzgebirge, die Böhmische Schweiz, das Lausitzer Gebirge, das Isergebirge oder das Riesengebirge. Wer hier startet, fährt selten lange flach. Dafür erwarten ihn eine nahezu unerschöpfliche Auswahl an kleinen Straßen, beeindruckenden Landschaften und eine Region, deren Geschichte über Jahrhunderte durch Bergbau, Handel und die Herrscher Böhmens und Sachsens geprägt wurde.


Der Preis dafür sind Höhenmeter.


Viele Höhenmeter.


Bereits vor fünf Jahren habe ich geschrieben, dass hier eher 1.500 Höhenmeter auf 100 Kilometern das Minimum als das Maximum darstellen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wer Brevets rund um Heidenau fährt, bekommt selten flache Strecken, dafür aber Landschaften und Ausblicke.


Was ist in den ersten fünf Jahren passiert?


Ganz ehrlich? Viel mehr als ich ursprünglich erwartet hätte.


Aus der anfänglichen Brevetserie sind inzwischen zahlreiche neue Veranstaltungen entstanden. Bereits 2023 folgte die erste Brevetwoche, bei der die Teilnehmer über mehrere Tage hinweg verschiedene Länder und Regionen erkunden konnten.


2025 wurde mit dem Kofola-Brevet dann eines der größten Projekte überhaupt umgesetzt. Über rund 3.000 Kilometer führte die Strecke tief hinein in die Slowakei und durch einige der schönsten Regionen Mitteleuropas. Ein Brevet, das es in dieser Form bei ARA Deutschland bisher noch nicht gegeben hatte.


2026 kamen erstmals ein offizieller 1.000-km-Brevet sowie ein 1.200-km-Brevet hinzu. Beide Veranstaltungen waren lange geplant und standen sinnbildlich für die Entwicklung der letzten Jahre. Aus einer klassischen Brevetserie ist Schritt für Schritt ein immer breiteres Angebot entstanden, das weit über die üblichen Distanzen hinausgeht.


Auch bei den Teilnehmerzahlen gab es Entwicklungen, die ich mir 2022 kaum hätte vorstellen können. So konnten wir in diesem Jahr beim 200-km-Brevet erstmals die Marke von 120 Startern überschreiten. Ein neuer Rekord für den Standort.


Besonders freut mich dabei, dass viele Teilnehmer immer wieder zurückkommen und inzwischen längst Freunde geworden sind, die man jedes Jahr aufs Neue an Start und Ziel trifft.


Paris-Brest-Paris 2023


Ein besonderes Highlight war für mich Paris-Brest-Paris 2023.

Aus Neugier habe ich einmal ausgewertet, wie viele Fahrerinnen und Fahrer im Qualifikationsjahr 2023 einen Brevet in Heidenau erfolgreich absolviert haben und anschließend bei Paris-Brest-Paris gestartet sind.

Das Ergebnis war beeindruckend:


56 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fuhren nach einem erfolgreichen Brevet in Heidenau nach Paris.

Davon erreichten 55 das Ziel innerhalb der Zeitvorgabe.


Lediglich ein Fahrer musste das Rennen in Brest aufgrund von Knieproblemen vorzeitig beenden.


Eine Quote, auf die die Fahrer selbst deutlich stolzer sein dürfen als ich. Sie zeigt aber auch, dass die erzgebirgischen Höhenmeter offenbar keine schlechte Vorbereitung auf die langen französischen Wellen sind.


Nicht alles läuft nach Plan

Natürlich gab es auch einige Dinge, die man so nicht planen kann.


Berüchtigt sind inzwischen die Wetterbedingungen beim 300er geworden. In den letzten beiden Jahren standen die Teilnehmer dort teilweise mitten im Winter, obwohl eigentlich längst Frühling sein sollte. Am Ještěd lag Schnee, am Keilberg fehlten teilweise nur wenige Zentimeter zur geschlossenen Schneedecke.


Auch zwei kleinere Unfälle gab es in den vergangenen fünf Jahren. Glücklicherweise blieb es bei insgesamt zwei gebrochenen Armen und es ist nichts noch Schwerwiegenderes passiert. Trotzdem erinnern solche Ereignisse daran, dass Langstreckenfahren trotz aller Leidenschaft immer ein Ausdauersport mit Risiken bleibt.


Superrandonnées


Mittlerweile sind vier Superrandonnées veröffentlicht.


Zugegeben: Sie führen bisher eher ein Nischendasein. Bislang haben lediglich zwei Teilnehmer versucht beziehungsweise erfolgreich absolviert, was bei Distanzen um die 600 Kilometer und deutlich mehr als 10.000 Höhenmetern allerdings nicht völlig überrascht. Dennoch gehören die Superrandonnées für mich nach wie vor zu den spannendsten Projekten. Sie bieten die Möglichkeit, die schönsten Regionen unserer Gegend ohne Zeitdruck und ohne festen Veranstaltungstermin zu erleben.


Das Brevetwochenende


Eine Idee, die sich dagegen sofort bewährt hat, war das Brevetwochenende zum Saisonabschluss. Nachdem wir die Veranstaltung nun bereits zweimal durchgeführt haben und die Resonanz durchweg positiv war, wird sie auch künftig fester Bestandteil des Kalenders bleiben. Das Grundprinzip bleibt gleich: gemeinsam ein Wochenende auf dem Fahrrad nach Prag und zurück verbringen, neue Strecken kennenlernen und die Saison entspannt ausklingen lassen.


Lediglich die Strecken werden jedes Jahr wechseln. Davon gibt es hier glücklicherweise mehr als genug.


Und wie geht es weiter?


Die Ideen gehen mir jedenfalls noch nicht aus.


2027 steht wieder ganz im Zeichen von Paris-Brest-Paris. Deshalb wird es erneut eine Brevetwoche geben. Gleichzeitig kehrt auch der 1.000-km-Brevet zurück. Ziel wird wiederum die frisch sanierte Kráľova hoľa in der Slowakei sein, diesmal allerdings auf einer vollständig neuen Streckenführung über die Hohe Tatra, die Zipser Burg und das Slowakische Paradies.


Und danach?


Danach wird es Zeit für etwas völlig Neues.


Für 2028 ist die Šopska Tour geplant.

Ein offizieller Brevet über rund 3.800 Kilometer, der von Heidenau bis nach Tirana in Albanien führen soll. Entstanden ist die Idee aus mehreren Fahrten über den Balkan, unter anderem beim Transcontinental Race. Allerdings soll die Šopska Tour bewusst das Gegenteil eines Rennens werden: kleine Straßen statt Hauptverkehrsachsen, Landschaft statt Durchschnittsgeschwindigkeit, Länder und Menschen statt Kontrollpunkte im Vorbeifahren.


Von Kroatien über Bosnien, Montenegro, Kosovo und Albanien soll eine Strecke entstehen, die den Balkan nicht möglichst schnell durchquert, sondern ihn erlebbar macht.


Ob das die größte Herausforderung wird, die bisher von Heidenau aus angeboten wurde?


Vermutlich.


Aber genau deshalb freue ich mich schon heute darauf.


Vielen Dank an alle Teilnehmer, Helfer, Freunde und Unterstützer, die diese ersten fünf Jahre möglich gemacht haben.


Mein besonderer Dank gilt auch dem SSV Heidenau, der uns seit 2022 mit dem Radsportkomplex ideale Bedingungen für unsere Veranstaltungen bietet. Ohne diese Unterstützung wären viele Dinge, die den Standort Heidenau heute ausmachen, kaum möglich. Vom Aufenthaltsraum über die Duschen bis hin zu den Übernachtungsmöglichkeiten nach langen Brevets profitieren Jahr für Jahr zahlreiche Teilnehmer.


Auf die nächsten fünf Jahre. Und auf viele weitere gemeinsame Kilometer zwischen Elbsandstein, Erzgebirge, Riesengebirge, Tatra und vielleicht schon bald auch dem Balkan.


Ein ganz besonderer Dank


Zum Schluss möchte ich mich noch bei einer Person bedanken, ohne die viele dieser Veranstaltungen in der Form überhaupt nicht möglich wären: meiner Frau Gabi.


Wer schon einmal nachts nach 300, 400, 600 oder noch mehr Kilometern erschöpft, durchgefroren und hungrig in Heidenau angekommen ist, kennt sie vermutlich bereits.


Während draußen auf der Strecke gegen Wind, Regen, Schnee, Müdigkeit und manchmal auch gegen sich selbst gekämpft wird, läuft im Hintergrund ein mindestens ebenso wichtiger Teil der Veranstaltung. Gabi sorgt seit Jahren dafür, dass am Ziel niemand hungrig nach Hause gehen muss.


Und zwar nicht nur für die ersten Teilnehmer.


Nicht nur für die Mittleren.


Sondern für jeden Einzelnen bis zum letzten Finisher.

Egal ob jemand am frühen Nachmittag ins Ziel kommt oder erst tief in der Nacht. Egal ob das Wetter perfekt war oder ob die Fahrer völlig durchnässt und ausgekühlt ankommen. Gabi hält die Verpflegung bis zum letzten Teilnehmer aufrecht. Oft bedeutet das viele zusätzliche Stunden in der Küche, während die meisten längst zu Hause im Bett liegen.


Gerade nach den langen und oft kalten Brevets ist eine warme Mahlzeit häufig mehr als nur Essen. Sie markiert für viele den eigentlichen Abschluss der Fahrt. Ankommen, durchatmen, etwas Warmes essen und die Erlebnisse des Tages mit anderen teilen.


Dazu kommen die vielen Aufgaben, die die meisten Teilnehmer gar nicht mitbekommen. Vorbereitungen, Einkäufe, Organisation und insbesondere die zahlreichen Fahrten bei Brevetwochen und One-Way-Brevets. Wenn irgendwo Gepäck transportiert werden muss, steckt dahinter meist ebenfalls Gabi. Während andere auf dem Fahrrad unterwegs sind, fährt sie oft viele zusätzliche Kilometer, damit die Teilnehmer abends frische Kleidung oder ihr Gepäck zur Verfügung haben.


Viele Dinge bei ARA Dresden sind auf den ersten Blick sichtbar: die Strecken, die Kontrollpunkte, die Höhenmeter und die Landschaften.

Vieles andere passiert im Hintergrund.


Und ein großer Teil davon trägt den Namen Gabi.


Deshalb geht mein größter Dank an sie. Für ihre Geduld, ihre Unterstützung, die unzähligen Stunden in der Küche, die vielen Fahrten für Gepäcktransporte und vor allem dafür, dass sie seit Jahren dafür sorgt, dass sich die Teilnehmer in Heidenau willkommen fühlen.


Ich bin mir sicher, dass viele Fahrerinnen und Fahrer sofort zustimmen werden:


Die Brevets in Heidenau wären ohne Gabi nicht dieselben.

Danke, Gabi.